ceci n'est pas une blague
Markus Jakob
Kaniküles Potpourri / 2

Schöne Filme gab es wie jeden Sommer unter anderem (gratis, daher leider meist furchtbar überlaufen) in bzw. bei den Gandules zu sehen, was auf spanisch soviel wie Faulpelze heisst, auf katalanisch aber auch Liegestühle. Eben solche werden im August jeweils im Patio des CCCB ausgebreitet. Hier das Programm, das heute zu Ende geht.

Unfassliches geschieht wieder in der Politik. Mir nichts dir nichts kriegen wir einen neuen Bürgermeister. Rochaden in der sozialistischen Partei, um nicht zu sagen: Postenschacher. Einst von Maragall auf den Posten gehisst, als dieser sich anschickte, die katalanische Generalitat zu erobern, übergibt nun auch der inzwischen ziemlich ausgebrannt wirkende Joan Clos sein Amt mitten in der Legislaturperiode einem Nachfolger. Der heisst ausgerechnet Hereu, Jordi Hereu, auf deutsch: der Erbe. Ein 40jähriger Apparatschik, den kaum jemand kennt. Bis zu den Lokalwahlen nächsten Frühling werden wir mit seinem pausbäckigen Gesicht zweifellos zur Genüge vertraut gemacht werden. Clos geht nach Madrid, wo er den Posten des Innenministers übernimmt, den bisher Montilla innehatte, der ja seinerseits – hier wurde erklärt, warum – zum Nachfolger Maragalls bestimmt ist.

Ich habe bereits einen Wunsch an Herrn Hereu: er möchte bitte mit diesen unsäglichen Vehikeln aufräumen, Trixis genannt, die diesen Sommer auf lebensgefährliche Weise (der Beweis auf dieser Bilderserie) Touristen durch die Stadt kutschieren.

Vor allem aber sind sie einfach eine ästhetische Beleidigung.

Schöner anzusehen sind die Camions der Firma Moritz, die auch noch nicht sehr lange zum Stadtbild gehören. Moritz ist zweifellos das Bier des Jahres. Die Traditionsbrauerei, einst von einem Elsässer gegründet, verschwand vor Jahrzehnten vom Markt und ist nun fulminant neu auferstanden. Unter anderem wurde der alte Hauptsitz an der Ronda San Antonio von Jean Nouvel renoviert, wie man auf der Webseite der Firma unter anderem erfährt.Zu ihrem Fuhrpark gehören tatsächlich auch zahlreiche alte Seiscientos, wie der Cinquecento in der Version von SEAT heisst. Im Bild die Spielzeugversion, abgelichtet auf meinem Balkon, auf dem der seinerzeit vom Ayuntamiento gespendete Samen aufgegangen ist und sich als Kletterpflanze erwiesen hat, die in den letzten Tagen sogar einige schüchterne Blüten getrieben hat.




Manchmal träume ich davon, selbst einen kleinen Lieferwagen zu besitzen, damit im Quartier herumzukurven und die Bars mit Eiswürfeln zu versorgen, so wie es auf diesen Bildern Tito und der Hielo Express tun.

Related Posts with Thumbnails

4 Comments to “Kaniküles Potpourri / 2”

  1. Gerald says:

    Ich habe mit Interesse den Beitrag zum Thema Moritz vs. Trixi gelesen.

    Du schreibst: “Vor allem aber sind sie einfach eine ästhetische Beleidigung….”
    Mit dieser Meinung kann ich hervorragend leben, denn Du repräsentierst nicht die Mehrheit, die das ausgefallene Design und umweltfreundliche Verkehrsmittel schätzen.

    Dass Du aber noch hinzufügst “…Schöner anzusehen sind die Camions der Firma Moritz, die auch noch nicht sehr lange zum Stadtbild gehören.”

    Also bitte….Du findest die LKWs (camiones für die Nicht-Spanier) schöner als unsere Trixis. Ich bin sprachlos.

    Du schreibst, dass wir auf lebensgefährliche Weise Touristen durch die Stadt fahren und träumst davon mit einem kleinen Lieferwagen durch das Viertel zu fahren? Bist Du etwa der Fahrer des LKWs der stundenlang rechtswidrig den Passeig del Born dichtgemacht hat; ich meine den Moritz-Lkw auf dem Foto?

    Ich bin ja für Meinungsfreiheit, aber Deine Voreingenommenheit und Geschmacksverkalkung (schöne LKWs, tssss) – tja, darauf musste ich doch kurz eingehen.

    Vielleicht steigst Du ja mal auf eines unserer Trixis, die seit 4 Jahren unfallfrei fahren, mit einer lebensbedrohlichen Höchsteschwindigkeit von 8 bis 12 Stundenkilometern.

    Wir geben 15 bis 20 Menschen Arbeit zu hervorragenden Konditionen und glauben, dass Barcelona wirklich wichtigere Probleme hat als Trixi. Wer’s nicht glaubt, und mit Scheuklappen durch’s Leben geht, dem Zeigen wir das “authentische Barcelona”. Trixi, das ökologische Fahrradtaxi, dürfte in Anbetracht von 1,6 Millionen Einwohner in der Stadt mit einem Fuhrpark von 965.172 zuglassenen motorisierten Fahrzeugen sicherlich das geringste Übel darstellen.

    Take a Trixi

    Höflichst

    Gerald
    Geschäftsführung
    http://www.trixi.com

  2. gerald says:

    Abgesehen von unserer kleinen Differenz: Glückwnsch zu den interessanten und fundierten Beiträgen. Ich habe mich mal durch den August und andere Monate geklickt. Sehr fundiert und “guter Blickwinkel”.

    Salu2

    Gerald

  3. Jakob says:

    ist mir eine ehre – oder eher ein plaisir -, von einem trixi-chófer persönlich bekrittelt zu werden. ich war inzwischen kurz in zürich (wo es sowas wie trixis auch geben soll) und dann in neapel (wo sie im generellen troglodyten-tohuwabohu der stadt einfach untergehen würden). daher die späte antwort. bitte um verzeihung!

    aber ja: ich finde die moritz-bierkistentransporter schöner als die trixis. weil sie nicht albern sind. die seat 600, die moritz aus sehr wohl albernen marketinggründen einsetzt, machen das gleichsam als urbild der trixis erst recht deutlich.

    mir sind generell fahrgäste peinlich, die in vehikeln herumfahren, in denen sie sich als was besonderes fühlen, und die aus ihrer ihnen selbst bewussten peinlichen lage den passanten dann noch unbedingt zuwinken müssen; sei’s ein trixi oder ein rolls royce cabriolet fürs brautpaar. fiaker bringen immerhin diese seltenen befremdlichen hufschläge ins auditive stadtgeschehen. (was ist eigentlich aus der berittenen polizei geworden, die ihre stallungen an der calle wellington hinter dem ciutadella-park hatte?)

    aber vielleicht könnte eine rikscha wie das trixi – in anderem design bitte – tatsächlich eine lücke schliessen zwischen dem immer mangelhafteren taxiservice (der hier auch schon besprochen wurde) und dem eigenen oder gemieteten fahrrad (auf dessen rolle in barcelona gelegentlich zurückzukommen ist). als transportmittel freilich, nicht als exhibitionistisches vehikel der eigenen albernheit.

  4. Hannush says:

    Als ob Barcelona keine andern Probleme haette als Trixis und Camiones!…Jordi Hereu sollte erst mal die Polizei Abschaffen!Und danach sich selber!

Leave a Reply

You must be logged in to post a comment.